Aufzucht der Jungeulen durch Lea und Rocky und Ausflug – Vorgeschichte Teil 3 – letzter Teil
Weiter geht es zum letzten Teil der Vorgeschichte zum „Förderprojekt Schleiereulenhaus“! Nachdem die 30-tägige Brutzeit abgeschlossen war und Rocky sein Weibchen bestmöglich versorgt hatte, schlüpften die Jungen nacheinander im Abstand von jeweils etwa zwei Tagen – genau entsprechend dem Legerhythmus. Am 07.05.2026 war die Familie schließlich vollständig.
Aufgrund der Tatsache, dass Schleiereulen bereits nach dem Legen des ersten Eies mit dem Brüten beginnen, schlüpfen die Küken nicht nur zeitlich versetzt, sondern weisen auch in ihrer späteren Entwicklung diesen Zwei-Tages-Rhythmus auf. In unserem Fall führte das dazu, dass die zuerst geschlüpfte Jungeule der jüngsten um etwa 14 Tage voraus war. Dieser Altersunterschied ist deutlich am Gefieder und der Größe zu erkennen, was die Unterscheidung der sieben Geschwister stark erleichtert.
Die jüngste und oft auch die zweitjüngste Jungeule haben es zum Ende der Aufzuchtsphase im Nistkasten allerdings nicht leicht: Die älteren Geschwister jagen ihnen tendenziell die von den Eltern herbeigetragenen Mäuse ab. Dadurch entwickeln sich die Erstgeborenen schneller, während die Jüngsten im Wachstum zurückbleiben. In schwachen Mäusejahren oder während extremer Hitzeperioden kann dies im schlimmsten Fall zum Tod der jüngsten Küken führen. Sie verhungern dann entweder oder verdursten letztlich, da Schleiereulen ihre Flüssigkeit ausschließlich über die Nahrung – hauptsächlich Mäuse aller Art – aufnehmen.
In unserem Fall ging alles gut, es gab genug Mäuse, die Eltern haben sich fantastisch um ihren Nachwuchs gekümmert und die Temperaturen blieben bis in den Juli 2026 hinein noch erträglich.
In unserem Fall ging zum Glück alles gut: Es gab reichlich Mäuse, die Elterneulen kümmerten sich fantastisch um ihren Nachwuchs und die Temperaturen blieben bis in den Juli 2026 hinein erträglich. Es war unglaublich spannend, den sieben Jungeulen täglich beim Erwachsenwerden zuzuschauen. Ihr weißes Daunengefieder wurde sukzessive abgelegt, und langsam aber sicher verwandelten sich die kleinen Küken in prachtvolle, wunderschöne Schleiereulen!
Das Schleiereulenhaus bot genug Platz für alle neun Eulen, sodass unter den Geschwistern kein Stress aufkam. Da die Jungvögel ohnehin gerne dicht beieinander sitzen, ist das Platzangebot in dieser Hinsicht zwar nicht primär entscheidend – spätestens jedoch, wenn die ersten Trainingseinheiten für die Flügelschläge zum Aufbau der Muskulatur beginnen, ist ein geräumiges Schleiereulenhaus nach meiner Auffassung extrem wichtig. Kurz vor dem Ausfliegen erreichen die Jungen bereits eine Flügelspannweite von rund 90 Zentimetern – sie sind damit fast so groß wie ihre Eltern. Man kann sich leicht vorstellen, dass das Nest mindestens diese Breite und Länge haben sollte, um ein verletzungsfreies Training zu ermöglichen, sofern keine Außenplattformen direkt am Nest zur Verfügung stehen.
Der große Moment des Ausflugs der Jungeulen erfolgte schließlich um den 29.06.2026. Zu diesem Zeitpunkt war die älteste Jungeule knapp über zwei Monate alt, die jüngste gerade einmal eineinhalb Monate. Trotz des Altersunterschieds flogen alle Jungen am selben Tag aus. In den ersten Tagen hielten sie sich noch in der Nähe des Nestes auf und kehrten teilweise für einige Stunden dorthin zurück. Nach etwa einer Woche war die Familie dann erst einmal aus unserem Blickfeld verschwunden…
Wir wünschen den sieben Abenteurern alles Gute und immer eine Maus in Sichtweite! 🙂 Eine erfolgreiche Schleiereulen-Brut mit sieben Jungeulen in unserem Schleiereulenhaus in Ostfriesland – 2026.
